Viele Frauen und Männer in meinem Alter haben das Privileg in einer Gesellschaft leben zu können, die geprägt ist von den Errungenschaften unserer Vorkämpferinnen. Als 25 jährige bin ich in einer Schweiz aufgewachsen, in der durch den jahrzentelangen Kampf von Frauen (und Männern) früherer Generationen die Grundsteine für die politische Partizipation der Frauen und für die wirtschaftliche Gleichstellung der Geschlechter gelegt worden sind. Glücklicherweise sind wir heute nicht mehr in der Situation, in der die Frauen in der SP im Jahr 1912 waren. Diese Frauen politisierten als krasse Minderheit in einer männerdominierten Partei, wo sie sich ihre Anerkennung hart erkämpfen, sich in erster Linie selber organisieren mussten und darum die SP Frauen gründeten. Seit damals haben wir es weit gebracht. Die SP und ihre Verbündeten haben das Frauenstimmrecht, die Mutterschaftsversicherung und vieles mehr für die Befreiung der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter erkämpft.
Was die SP aber jetzt und heute braucht ist eine Gleichstellungspolitik, die von beiden Geschlechtern getragen wird. Denn Gleichstellung ist weder Männer- noch Frauensache. Sondergrüppchen führen einzig und allein dazu, dass sich die Partei als Ganzes aus der gleichstellungspolitischen Verantwortung zieht – nach dem Motto: „Warum sollen wir uns darum kümmern? Das machen ja die SP Frauen oder: Das machen ja die SP Männer.“
Wir müssen Gleichstellung endlich als gemeinsamen Kampf beider Geschlechter für Emanzipation und Freiheit und als elementaren Bestandteil sozialdemokratischer Politik verstehen. Nicht die Frage ob denn nun heute Männer oder Frauen stärker diskriminiert werden, nicht die Frage ob Frauen die besseren Managerinnen sind als Männer, müssen wir uns stellen. Das sind Scheindiskussionen, die nirgends hinführen und vom eigentlichen Problem ablenken. Als SozialdemokratInnen müssen wir dafür sorgen, dass die Ungleichbehandlung der Geschlechter wieder als das verstanden wird, was sie ist: Eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Diskriminierung, die von unserem Wirtschaftssystem aufrecht erhalten wird und beide Geschlechter betrifft. Frauen mit Kind, die gleichzeitig Karriere machen, werden immer noch missgünstig beäugt. Männer, die Teilzeit arbeiten, weil sie ihre Vaterpflicht ernst nehmen, ebenso. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Rollenbilder nehmen uns unsere Freiheit nach unseren Fähigkeiten und Bedürfnissen zu leben. Bei dieser Frage muss sozialdemokratische Gleichstellungspolitik ansetzen!
Die Juso hat die Diskussion mit einem Positionspapier zum Thema lanciert. Und stösst dabei bei vielen jungen Genossinnen und Genossen auf Zustimmung. Wenn wir den Mut haben, neue Forderungen aufs politische Tapet zu bringen, aktivistisch und provokativ sind, könnte diese Diskussion der Startschuss für eine neue Bewegung werden.



Hut ab! Genau? Ich, m, 35, Maschinening. FH, Nachdiplom Wirtschaft finde momentan bei 3% Arbeitslosigkeit kein Job, wer will schon jemand, der “nur” 80% arbeitet. Fr mich war die SP deshalb schon lange nicht mehr wählbar, wegen den Feministinnen, ich bin froh, dass die Kritik von innen kommt, und nicht von aussen.
Unglaublich: nun sollen die Feministinnen Schuld sein, wenn jemand nicht 80 Prozent arbeiten kann. Die amren Männer werden von Feministinnen unterdrückt. Ojeminee. Die Aktion von Frau Walliser ist völlig verfehlt. Über neue Forderungen im Zusammenhang mit der Gleichstellung kann man diskutieren. Dass aber eine privilegierte junge Frau dem Köppelschen Männerbacklash auf den Leim geht, und statt die wirklichen Ursachen anzuprangern, auf billige Selbstprofilierung und interne Zerfleischung macht, ist völlig kontraproduktiv. Oder sollen wir auch die JUSO abschaffen?
Liebe Frau Walliser, sicher sind sie jetzt ungeheuer stolz auf Rückmeldungen wie diejenige des armen Herrn Steiner und anderen. Viel Spass noch bei der Demontage der eigenen Partei.
Herr Erzinger, bitte interpretieren Sie nicht mehr, als Sie lesen. Die Sache ist ein Beispiel, und der springende Punkt ist, dass die jetzige Gleichstellung völlig in der Sackgasse ist. Ich kenne viele Männer, denen löscht es bei “pro-Frauen-Gleichstellung” ab. Solange eine überalterte Generation von Feministinnen die gleiche ewige Geschichte herunterleiert, geht es kein Schritt vorwärts. Auf Kraft bringt Gegenkraft nichts (das wusste schon Ghandi). Insofern bringt die Männerdiskussion um Rene Kuhn ebensowenig, sie ist ebenso rückständig wie die alte Garde von Feministen der SP. Lassen wir (MANN und FRAU) die Gelcihstellung gemeinsam angehen.
P.S. Und ich erwarte sicher nicht von Frauen, dass sie sich für mcih einsetzen, dazu gibt es genügend Männergruppen. Aber wir wären schon viel weiter mit der Emanzipation, wenn die alte SP-Frauen-Garde abtreten würde.